Das Leitbild der Träger gGmbH
Die Integration Aller ermöglichen
Wir unterstützen Menschen dort, wo sie leben. Wenn sie, trotz
anhaltender Beeinträchtigungen, im eigenen Stadtteil in einem
vertrauten sozialen Umfeld wohnen, arbeiten und leben können, sehen
wir unser Ziel erreicht.
» Lange Zeit waren viele
Betroffene gezwungen, Hilfsangebote wahrzunehmen, die weit außerhalb
ihres Lebensmittelpunktes lagen. Manche mussten in Kliniken verbleiben, weil sie
nicht in die vorhandenen Betreuungskonzepte passten.
Dadurch wurden viele Menschen dauerhaft ausgegrenzt, besonders diejenigen mit
schweren Beeinträchtigungen. Ein Missstand, der seit einigen Jahren
mit einer engen Kooperation angegangen wird: Alle Einrichtungen und Dienste haben
sich verpflichtet, die Unterstützung gemeinsam zu arrangieren. Jeder
soll vor Ort angemessene Unterstützung erhalten. Niemand soll wegen
Art, Schwere oder Dauer seiner Beeinträchtigung von Leistungen
ausgeschlossen sein.
Innerhalb dieses Hilfesystems begleiten wir besonders auch die stark
benachteiligten Menschen. Werden sie aufgefangen, so unsere Erfahrung,
nützt das auch denen, die weniger beeinträchtigt
sind. Damit Menschen mit Handicaps ein möglichst normales Leben
führen können, brauchen sie den Respekt anderer. Wo
immer abwertende Haltungen auftauchen, werben wir für ein
Zusammenleben mit Toleranz und Rücksicht - auf beiden Seiten, in
immer neuen Anläufen.
Die Individualität jedes Einzelnen respektieren
Wir wollen ein Leben nach eigenen Bedürfnissen
ermöglichen. Dafür schaffen wir
Lebensräume, die sich an den Wünschen der Nutzer
ausrichten und die ihrer Individualität gerecht werden sollen. Dabei
gehen wir mit den Grenzen der Individualität bewusst um.
» Um sich wohl zu
fühlen, möchte jeder nach eigenen Gewohnheiten leben
können. Wer Nachtmensch ist, aber immer früh morgens
geweckt wird, leidet. Wer Einzelgänger ist, aber
ständig in Gruppen leben muss, ebenso.
Daher gehen wir auf die Bedürfnisse unserer Klienten ein. Ihre
individuelle Persönlichkeit zu schützen ist unser Ziel.
Dafür lernen wir jeden Einzelnen genau kennen, seine Vorlieben und
Möglichkeiten wie seine Lebensgeschichte. Wir fordern von uns, jedem
offen und respektvoll zu begegnen, auch dann, wenn wir seine Werte und Lebensziele
persönlich nicht teilen.
Zugleich achten wir auf die Grenzen der Individualität. Sie
beginnen, wenn ein Verhalten die Integration in das gegebene Umfeld verhindert.
Gefährdet jemand krankheitsbedingt andere oder sich selbst, sehen
wir es als unsere Aufgabe, klare Regeln zu setzen; dies geschieht dann in Absprache
und unter Kontrolle anderer beteiligter Personen und Einrichtungen.
Eine dauerhafte Begleitung gewährleisten
Wir wollen Rückhalt in einer stark verunsichernden
Lebenssituation sein. Das Vertrauen, das dazu nötig ist, versuchen wir
uns durch verlässliche Begleitung zu verdienen.
» Sich immer neu
erklären müssen, ständig wechselnden
Helfern die eigenen Probleme und Wünsche beschreiben
müssen - das ist für viele
Hilfsbedürftige eine leidige Erfahrung. Durch verbindliche
persönliche Beziehungen stellen wir die Weichen, dass sich ein
Miteinander entwickelt. So kann das Vertrauen entstehen, mit dem sich gemeinsam
schwierige Alltagssituationen meistern lassen.
Dabei sind wir uns der Schattenseiten solcher zwangsläufig
persönlichen Bindungen bewusst. Es können sich
Abhängigkeiten aufbauen, die den Weg zu mehr
Selbstständigkeit erschweren. Deshalb reflektieren wir
regelmäßig die einzelnen
Betreu-ungsverhältnisse, um Fehlentwicklungen
frühzeitig entgegen zu wirken.
Die Betreuung soll nicht länger binden als unbedingt notwendig. Wir
regen an, unsere Begleitung zu beenden, wenn sie nicht mehr erforderlich
ist.
Eine zuverlässige professionelle Zusammenarbeit arrangieren
Gute Rehabilitation und Behandlung umfassen verschiedene Formen der
Unterstützung. Alle Einrichtungen und Dienste müssen
bei der Hilfeplanung an einem Strang ziehen. Daher arbeiten wir in einem regionalen
Hilfesystem mit Anderen zusammen.
» Wohnung, Arbeit,
Freizeit - das Leben spielt sich immer an verschiedenen Orten ab. In jedem Bereich
gelten eigene Anforderungen. Für die Helfer bedeutet das: Sie
müssen für die einzelnen Felder eine jeweils
geeignete Unterstützung bereithalten. Gleichzeitig sollten diese
unterschiedlichen Hilfsangebote am gleichen Ziel ausgerichtet sein.
Das erfordert einen regelmäßigen, intensiven Austausch
aller beteiligten Institutionen und Dienste. Im Gemeindepsychiatrischen Verbund in
Reinickendorf verständigen wir uns mit dem Sozialpsychiatrischen
Dienst, der Klinik und anderen Einrichtungen und Diensten. Dabei stimmen wir auf
Helferkonferenzen unser Vorgehen ab und legen mit anderen an der gemeinsamen
Versorgungsverpflichtung Beteiligten fest, wer welche Aufgaben
übernimmt. Im Rahmen dieses Hilfesystems bestehen wir auf
verbindliche Absprachen, denn nur so können wir unserer Verantwortung
für die von uns betreuten Menschen gerecht werden.
Eine offene und lernbereite Arbeitskultur schaffen
Psychosoziale Begleitung ist dann hilfreich, wenn die Mitarbeiter fachlich und
menschlich geeignet sind, sowie die notwendige Unterstützung und
Förderung erhalten. Eine solche Arbeitskultur zu schaffen, ist unsere
tägliche Aufgabe.
» Wer der
Komplexität des Menschen gerecht werden will, braucht verschiedene
Blickwinkel. Daher beschäftigen wir Mitarbeiter mit
unterschiedlichen professionellen Hintergründen. Sie haben z. B.
soziale, therapeutische oder pflegerische Berufe erlernt. In den Betreuungssteams
fügen sich so die einzelnen Perspektiven zu einem Gesamtbild
zusammen.
Die wechselseitige Ergänzung wird zusätzlich durch
Psychologinnen und die jeweiligen Leiter der einzelnen Bereiche
unterstützt. Sie setzt sich fort im Wunsch, in der gesamten
Organisation offen und kritisch miteinander im Gespräch zu sein.
Unsere Mitarbeiter werden in alltägliche und
grundsätzliche Entwicklungsprozesse einbezogen.
Noch weitergehend wollen wir Anregungen und Hinweise von außen
erhalten. Für uns eine Voraussetzung, um schädliche
Routinen zu vermeiden und um sensibel gegenüber unseren Klienten zu
bleiben.Deshalb fordern wir von unseren Mitarbeitern einen aufgeschlossenen Umgang
mit anderen Sichtweisen. Sie müssen kooperieren können,
über Berufsgruppe, Arbeitsfeld und Einrichtung hinaus. Daher sind
uns nicht nur die fachliche Qualifikation wichtig, sondern auch Kenntnisse anderer
Bereiche und die Bereitschaft, sich regelmäßig fort-
und weiterzubilden. Die dazu notwendige Unterstützung zu
gewährleisten, betrachten wir als wichtigen Bestandteil unserer
Organisation.
Zusammen mit einer menschlichen Eignung ermöglicht das nicht nur ein
verantwortungsvolles Handeln gegenüber den Klienten. Kompetentes
Personal kann sich auch überzeugender für eine
Verbesserung der sozial- und gesundheitspolitischen Bedingungen einsetzen.
Die Rahmenbedingungen konstruktiv mitgestalten
Wir versuchen aus knappen Ressourcen das Beste zu machen. Zugleich weisen wir
Fachkreise und Politik auf Missstände hin. Wir wollen die
Rahmenbedingungen im Sinne der beeinträchtigten Menschen verbessern
helfen.
» Die finanziellen
Mittel für soziale Aufgaben sind begrenzt. Daher gehen wir sorg- und
sparsam mit den vorhandenen Ressourcen um. Die Prioritäten setzen
wir nach den Anliegen der Nutzer - und nicht den kurzfristigen Interessen unserer
eigenen Organisation.
Andererseits wollen wir den Umgang mit den bereit stehenden Mitteln mitgestalten.
In den dafür maßgeblichen Gremien der Bezirke
engagieren wir uns für eine gerechte Verteilung der Ressourcen und
für Lösungen, die Integration möglich
machen. Die Zuständigen in der Politik und in den Institutionen der
Rehabilitation erinnern wir daran, die besonderen Bedürfnisse
unserer Klienten zu berücksichtigen. Zugleich achten wir darauf,
dass dies nicht zu Lasten anderer hilfsbedürftiger Gruppen geht. Wir
wollen keinen Wettbewerb der Schwachen.
Die Lebenslage der betreuten Menschen zu verbessern ist nicht immer eine Frage des
Geldes. Manchmal sind es auch eingefahrene Strukturen, die geeignete
Lösungen verhindern. Deshalb beteiligen wir uns aktiv am
Gemeindepsychiatrischen Verbund. Mit unserer fachlichen Kompetenz tragen wir hier
zur Entwicklung der Verbundstrukturen bei.
Manche Rahmenbedingungen setzen der Verwirklichung unserer Leitideen Grenzen. Auch
an diesen zu arbeiten, haben wir uns vorgenommen, wissend, dass
Veränderungen mitunter viel Zeit brauchen.
» Das gesamte Leitbild zum Speichern und Ausdrucken können Sie hier als PDF-Datei (19kb) herunterladen: traeger-leitbild.pdf